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Komplikationen während der OP

Auch mit sorgfältiger Planung kann es zu Komplikationen während der Operation kommen. Das kann verschiedene Ursachen haben.

1. Nervverletzungen
Im Bereich des Unterkiefers besteht vorwiegend die Gefahr einer Nervenverletzung. . Einen besonderen Risikofaktor bildet der so genannte Alveolarkanal im Unterkieferknochen, in dem neben dem Nerv sowohl Arterie als auch Vene verlaufen. Ein Sicherheitsabstand von 1 bis zwei Millimetern muss eingehalten werden um Gefäßschädigungen zu vermeiden. Durch Zwischenröntgenaufnahmen muss dies kontrolliert werden. Vor der Operation sollte das Knochenangebot, das sich über dem Alveolarkanal befindet, analysiert werden. Eine weitere Sicherheitsmaßnahme ist die Verwendung einer Bohrschablone.
Im Falle einer unvorhergesehenen Kanalöffnung sollte entweder ein kürzeres Implantat verwendet oder die Implantation abgebrochen werden. Sollte das Implantat bereits in den Nervenkanal eingesetzt sein muss es umgehend wieder entfernt werden.
Sollte eine Nervenschädigung eintreten, sollte der Patient an eine Klinik mit kieferchirurgischer Spezialabteilung überwiesen werden, damit eine mikrochirurgische Nervennaht gesetzt werden oder eine primäre Nervenrekonstruktion vorgenommen werden kann.

Das Foramen mentale ist eine Knochenöffnung auf der Außenseite des horizontalen Astes des Unterkiefers im Bereich der kleinen Backenzähne, in dem der Unterkiefernerv aus dem Knochen in das Weichgewebe tritt. Auch hier muss ein Sicherheitsabstand von mindestens 2 Millimetern eingehalten werden, da sich der Verlauf des Nervs nicht eindeutig bestimmen lässt.

Meist ist hinter dem Foramen mentale im zahnlosen Kiefer nur ein unzureichendes Knochenangebot zu finden. Deswegen empfiehlt sich eine präzise Festlegung der Nervaustrittstellen um eine Strukturschädigung zu vermeiden.
Auch eine Nervverlagerung sollte nur in Einzelfällen in Erwägung gezogen werden, da es sogar bei augenscheinlich komplikationslosem Operationsverlauf zu Sensibilitätsausfällen, Gefühlsstörungen in der Lippe, im Kinnbereich und im Unterkieferrandbereich sowie gegebenenfalls sogar zu chronischen Neuralgien, d.h. zu einer schmerzhaften Erkrankung eines Nervs, kommen kann.

Nach der Operation kann es in seltenen Fällen trotz genauer Implantatpositionierung mit dem nötigen Sicherheitsabstand zu Gefühlsstörungen im Bereich des Nervs sowie von Lippe, Kinn und Unterkieferrand kommen. Sie entstehen durch kleine Blutergüsse oder durch vorübergehenden Druck auf den Nervkanal, die nach der Operation meist relativ schnell wieder abgebaut werden.

Wenn der  Nervus lingualis, der Zungennerv, im hinteren Unterkieferabschnitt bei der Vorbereitung des Weichgewebes geschädigt wird, kann dies ebenfalls zu Gefühlsstörungen der Zunge sowie zu gleichzeitigem Geschmacksverlust bzw. Geschmacksbeeinträchtigungen führen. Durch ein schützendes Instrument zwischen dem Unterkiefer und dem Weichteillappen kann eine Schädigung bei der Knochenpräparation verhindert werden.
Durch den Druckanstieg bei einer Blutung im Nervkanal oder in den Weichteilen, kann es zu einer vorübergehenden Kompression des Nervs kommen, auch wenn dieser nicht direkt beschädigt wurde. Wenn die Symptome allerdings eine Verletzung vermuten lassen, muss der Nerv schnellstmöglich dekomprimiert werden.

2. Blutungen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es auch bei Implantationen zu Blutungen kommen, die aus dem Knochenmark, den Weichteilen oder aus verletzten Gefäßen erfolgen.  Letztere lassen sich leicht abbinden oder vernähen.

Ebenso können Blutungen aus dem Knochen, die beim Aufbereiten des Implantatbettes oder beim Abtragen spitz zulaufender Kieferkämme entstehen können, beim Einsetzen des Implantates ohne große Schwierigkeiten gestillt werden. Blutungen außerhalb des Implantatbereiches können mit speziellem Knochenwachs verschlossen oder verbolzt werden. 

Wenn keine Arterie, oder andere wichtige anatomischen Strukturen verletzt worden sind, lassen sich Blutungen in der Regel schnell stillen.

Die Verletzung einer Arterie auf der Unterkieferinnenseite, der so genannten Arteria lingualis, kann aber ein besonderer Risikofaktor sein. Durch eine präzise Darstellung der inneren Knochenseite des Kieferfortsatzes lässt sich die Gefahr einer Verletzung durch den Implantatbohrer verringern. Sollte es dennoch zu einer Perforation des Knochens kommen muss das beschädigte Gefäß schnellstmöglich abgebunden werden. Da im äußersten Fall der Mundboden durch die arterielle Blutung stark angehoben werden kann, so dass der Zungengrund nach hinten gedrückt wird und dadurch die Atemwege verlegt werden, ist es das wichtigste zuerst die Atmung zu gewährleisten und anschließend die Blutung zu stillen.
Im Oberkiefer ist die Gefahr einer arteriellen Verletzung dagegen gering. Hier ist nur eine Verletzung der Arteria palatina, einer zwischen der Kieferkammmitte und Gaumenmitte befindlichen Gaumenarterie, möglich. Eine Blutstillung ist problemlos durchführbar. Ebenso können Blutergüsse durch eine Verbandplatte leicht verhindert werden, da bei Blutergüssen die Gefahr einer bakteriellen Infektion besteht. 

Sollte der Patient blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollte dies zuvor mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, da dies ebenfalls zur Blutungen während des Eingriffes führen kann.

.Dies gilt auch für Patienten mit erhöhtem Schlaganfalls- und Herzinfarktrisikos, die in vielen Fällen mit Acetylsalicylsäure medikamentös eingestellt sind. Aufgrund der thrombozytenaggregationshemmenden Wirkung des Medikaments weisen diese Patienten eine verstärkte Blutungsneigung auf.

3. Eröffnung der Nasen- und Kieferhöhlen
In vielen Fällen nimmt die Kieferhöhle den Raum der Wurzeln extrahierter Zähne ein, so dass meist nur wenig Knochen für die Implantation vorhanden ist. Durch dieses Phänomen ist der Einsatz der angestrebten Implantatlänge von mindestens 10 Millimetern meist nicht möglich.

Um ein Implantat von hinreichender Länge, d.h. mindestens der Länge der späteren Zahnkrone entsprechend, einzusetzen, sind spezielle Operationsverfahren wie der interne oder laterale Sinuslift notwendig. Bei diesem Eingriff wird der Kieferhöhlenboden operativ angehoben, indem die Schleimhaut vom Knochen abgehoben und der Zwischenraum mit Knochenersatzmaterial oder Knochen aufgefüllt wird. Zuvor sollte jedoch eine Nasennebenhöhlenaufnahme oder eine Untersuchung der Kieferhöhle durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt durchgeführt werden.

Ein Durchbohren des Nasenbodens ist bei der Aufbereitung des Implantatbettes eher unwahrscheinlich, da dieser in der Regel eine starke Struktur aufweist und in dem Bereich genügend Knochenmaterial vorhanden ist.

4. Kieferfrakturen
Ist der Unterkiefer im Bereich des Implantates stark geschrumpft, kann es in Ausnahmefällen beim Einsetzen zu Unterkieferfrakturen kommen. Es ist unwahrscheinlich, aber auch während der Einheilungsphase ist besonders bei durch den gesamten Unterkiefer laufenden Implantaten aufgrund der steigenden Belastung eine Kieferfraktur möglich.

Ist dies doch der Fall muss das Implantat entfernt werden. Der gebrochene Unterkiefer wird durch eine Überbrückung des Bruchspaltes mit Hilfe von Bohrschrauben und Metallplatten behandelt. Nach ungefähr 9 bis 12 Monaten ist eine erneute Implantation möglich.

5. Knochendurchbohrungen (Perforationen)
Perforationen an der Außenseite des Kieferkammes können mit einer Membran oder Knochenersatzmaterial abgedeckt werden. Ist die Perforation im Innenbereich muss das Implantat sofort entfernt werden. In beiden Fällen können bei erneuter Implantation kürzere Implantatkörper benutzt werden.

6. Fehlende Primärstabilität
Grundvoraussetzung für das Verwachsen des Implantats mit dem umgebenden Knochen ist die sofortige Stabilität des Implantats nach dem Einfügen, die Primärstabilität. Ist sie gewährleistet kann das Implantat mit dem Knochen verwachsen, ohne dass das Bindegewebe abgekapselt wird. Falls die Primärstabilität nicht gegeben ist, kann der Knochen nachpräpariert werden oder ein dickeres/ längeres Implantat genutzt werden. Gründe für eine unzureichende Primärstabilität können unter anderem eine schlechte Zentrierung des Implantates, eine zu hohe Bohrerdrehzahl und Überhitzung, oder eine ungünstige Knochenqualität sein.

Wenn das Implantat nach dem Einsetzen beweglich ist, sollte es im Normalfall entfernt werden, da eine Einheilung eher unwahrscheinlich ist.

7. Verletzung von Nachbarzähnen im teilbezahnten Kiefer
Da die Nachbarwurzeln in einer engen Lagebeziehung liegen,  kann es bei der Versorgung einzelner Zahnlücken zu einer Beschädigung der Wurzeln kommen, was über eine längere Zeit hin zum Verlust weiterer Zähne führen kann.

Es empfiehlt sich zuvor eine präzise röntgenologische Bestimmung des Knochenangebotes und röntgenologische Zwischenaufnahmen, um eine solche Verletzung zu vermeiden. Auch eine Implantatschablone und das Anzeichnen der Längsachsen der Nachbarzahnkronen ist empfehlenswert.

Sollten Schmerzen mit der Schädigung auftreten ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig. Um den beschädigten Zahn zu erhalten muss eventuell die Wurzelspitze entfernt werden, die Wurzelspitzenresektion.